Burn-out trifft Führungskräfte selten ohne Vorwarnung – Ivan Radosevic zeigt, welche Signale man ernst nehmen sollte und was wirklich dagegen hilft.
Führungskräfte gelten als belastbar, entscheidungsfreudig und leistungsstark – und genau das macht sie anfällig. Wer dauerhaft über die eigenen Grenzen geht, ohne die Warnsignale zu erkennen, riskiert einen Burn-out, der nicht nur die eigene Gesundheit, sondern das gesamte Team trifft. Ivan Radosevic hat sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und zeigt, welche neun Warnsignale Führungskräfte kennen müssen – und wie sie gegensteuern können, bevor es zu spät ist. Denn wer früh handelt, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Menschen, die auf seine Führung angewiesen sind.
Burn-out ist in Führungspositionen keine Seltenheit – er ist ein strukturelles Risiko, das aus einer Kombination von hohem Verantwortungsdruck, mangelnder Delegation und fehlender Selbstfürsorge entsteht. Die Warnsignale sind oft subtil und werden im hektischen Alltag leicht übersehen oder bewusst ignoriert. Ivan Radosevic aus Frankfurt hat in seiner langjährigen Arbeit als Management-Experte immer wieder beobachtet, wie Führungskräfte in dieses Muster geraten – und wie sie mit den richtigen Strategien rechtzeitig gegensteuern können. Seine Empfehlungen setzen dort an, wo das Problem wirklich beginnt: bei den eigenen Gewohnheiten und Überzeugungen rund ums Delegieren, Priorisieren und Loslassen.
Ivan Radosevic: Warum Burn-out keine Charakterschwäche ist
Burn-out wird noch immer zu oft als persönliches Versagen betrachtet – als Zeichen, dass jemand nicht stark genug ist, dem Druck standzuhalten. Ivan Radosevic widerspricht dieser Sichtweise klar. Burn-out ist kein Charakterproblem, sondern das Ergebnis struktureller Überlastung, die über einen langen Zeitraum nicht erkannt oder nicht adressiert wurde.
Besonders gefährdet sind ausgerechnet jene Führungskräfte, die als besonders engagiert und verantwortungsbewusst gelten. Sie delegieren wenig, weil sie glauben, dass es schneller geht, wenn sie selbst handeln. Sie machen Pausen selten, weil sie das Gefühl haben, es sich nicht leisten zu können. Und sie ignorieren die ersten Warnsignale, weil sie es schlicht nicht gewohnt sind, auf sich selbst zu hören. Dieser Kreislauf lässt sich durchbrechen – aber nur, wenn die Warnsignale rechtzeitig erkannt werden.
Wie unterscheidet sich normaler Stress von einem drohenden Burn-Out?
Stress ist vorübergehend und situationsbedingt – er entsteht in Hochphasen und lässt nach, wenn der Druck nachlässt. Burn-out hingegen ist ein schleichender Zustand anhaltender Erschöpfung, der sich auch in ruhigen Phasen nicht mehr auflöst. Ivan Radosevic empfiehlt, genau darauf zu achten: Wer nach einem Wochenende oder einem Urlaub nicht erholt zurückkommt, sondern genauso erschöpft weitermacht wie vorher, sollte das als ernstes Signal werten und handeln.
1. Dauerhaftes Gefühl der Überforderung
Das erste und häufigste Warnsignal ist ein anhaltendes Gefühl, nie wirklich fertig zu werden – unabhängig davon, wie viel gearbeitet wird. Ivan Radosevic betont, dass dieses Gefühl kein Zeichen mangelnder Effizienz ist, sondern ein Hinweis darauf, dass die Aufgabenlast dauerhaft die verfügbaren Ressourcen übersteigt. Wer dieses Signal ignoriert, riskiert, dass aus einem vorübergehenden Ungleichgewicht ein dauerhafter Zustand wird.
2. Schlafprobleme trotz Erschöpfung
Wer abends erschöpft ins Bett fällt, aber trotzdem nicht schläft oder nachts gedanklich weiterarbeitet, sendet dem Körper ein klares Signal. Ivan Radosevic beobachtet dieses Muster regelmäßig bei Führungskräften, die keine klare Grenze zwischen Arbeit und Erholung ziehen – und dadurch in einen Zustand permanenter Anspannung geraten, aus dem sie allein kaum noch herausfinden.
3. Wachsende Distanz zum eigenen Team
Ein subtiles, aber bedeutsames Warnsignal ist die zunehmende emotionale Distanz zum eigenen Team. Wer merkt, dass Meetings lästig werden, Mitarbeitende nerven oder die eigene Empathie spürbar nachlässt, sollte das nicht als schlechte Phase abtun. Ivan Radosevic sieht darin ein klassisches Zeichen von Überbelastung, das ernst genommen werden muss – auch weil es die Teamdynamik langfristig beschädigt.
4. Rückzug aus sozialen Interaktionen
Ähnlich verhält es sich mit dem allgemeinen Rückzug aus sozialen Kontakten – nicht nur im Berufsumfeld, sondern auch privat. Ivan Radosevic betont, dass soziale Isolation in Burn-out-Phasen den Zustand weiter verschlimmert, weil das soziale Netz wegfällt, das in schwierigen Zeiten Halt gibt. Wer beides beobachtet – beruflichen und privaten Rückzug –, sollte das als dringendes Signal verstehen.
5. Körperliche Beschwerden ohne klare Ursache
Kopfschmerzen, Verspannungen, Magenprobleme oder ein geschwächtes Immunsystem – der Körper reagiert auf anhaltenden Stress oft früher als der Kopf. Er empfiehlt, solche körperlichen Signale nicht wegzureden oder mit Medikamenten zu überdecken, sondern sie als das zu verstehen, was sie sind: Hinweise, dass etwas grundlegend aus dem Gleichgewicht geraten ist.
6. Nachlassende Entscheidungsfreude
Führungskräfte, die plötzlich selbst einfache Entscheidungen aufschieben oder an andere abgeben – nicht aus strategischen Gründen, sondern weil die Kapazität fehlt – zeigen damit ein deutliches Erschöpfungssignal. Ivan Radosevic betont, dass Entscheidungsmüdigkeit kein Luxusproblem ist, sondern ein konkreter Hinweis auf mentale Überlastung, der ernster genommen werden sollte als er es oft wird.
Entscheidungsmüdigkeit frühzeitig gegensteuern
Ein bewährtes Mittel gegen Entscheidungsmüdigkeit ist die Reduktion unnötiger Entscheidungen im Alltag. Ivan Radosevic empfiehlt, Routinen zu schaffen, die wiederkehrende Entscheidungen automatisieren – von der Tagesstruktur bis zur Aufgabenpriorisierung. Wer weniger Energie auf Nebensächliches verwendet, hat mehr für das Wesentliche – und bleibt auch in anspruchsvollen Phasen handlungsfähig.
7. Das Gefühl, unverzichtbar zu sein
Eines der häufigsten Muster, die Ivan Radosevic bei Burn-out-gefährdeten Führungskräften beobachtet, ist die Überzeugung, dass ohne sie nichts funktioniert. Diese Haltung verhindert Delegation, fördert Mikromanagement und führt dazu, dass die eigene Arbeitslast kontinuierlich wächst, ohne dass eine Entlastung in Sicht ist. Wer das Loslassen lernt, schützt sich – und stärkt gleichzeitig sein Team.
8. Vernachlässigung von Erholungspausen
Pausen werden von vielen Führungskräften als Zeitverschwendung betrachtet – ein Irrtum, den Ivan Radosevic aus Frankfurt klar benennt. Gezielte Erholungspausen sind kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für anhaltende Leistungsfähigkeit. Wer sie systematisch streicht, spart kurzfristig Zeit und zahlt langfristig einen deutlich höheren Preis.
Folgende Pausenformate empfiehlt Ivan Radosevic konkret:
- Kurze Erholungspausen nach dem Abschluss einer Aufgabe, um den Kopf zu leeren
- Längere Zwischenpausen bei umfangreichen Projekten, um die geistige Frische zu erhalten
- Feste Feierabendzeiten, die konsequent eingehalten werden
- Urlaubsphasen, in denen Arbeit wirklich ruht und keine Mails beantwortet werden
9. Fehlende Bereitschaft, Aufgaben abzugeben
Das letzte und vielleicht folgenreichste Warnsignal ist die mangelnde Bereitschaft zur Delegation. Er betont seit Jahren, dass kein Unternehmen dauerhaft auf den Schultern einer einzelnen Person ruhen kann – und dass Delegation nicht Kontrollverlust bedeutet, sondern Vertrauen. Führungskräfte, die nicht delegieren, schaden nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Team, das dadurch weder gefordert noch gefördert wird.
Folgende Fragen helfen, die eigene Delegationsbereitschaft zu überprüfen:
- Welche Aufgaben erledige ich regelmäßig, die andere genauso gut übernehmen könnten?
- Was hindert mich daran, diese Aufgaben abzugeben – Kontrolle, Vertrauen oder Gewohnheit?
- Welche strategischen Aufgaben bleiben liegen, weil operative Details zu viel Raum einnehmen?
- Wie würde mein Team von mehr Verantwortung profitieren?
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, findet darin oft den ersten konkreten Schritt aus dem Burn-out-Risiko heraus – und gleichzeitig einen Weg zu einer Führungskultur, die sowohl die eigene Gesundheit als auch die Entwicklung des Teams langfristig schützt.




